Verkehrsachse Nord-Ostsee-Kanal

570 Mio. EUR jährlich für Deutschlands ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Kanal

Die Schifffahrt auf dem Nord-Ostsee-Kanal hat für Deutschland einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen in Höhe von rund 570 Mio. EUR im Jahr. Nach Angaben einer Studie des IfW Kiel beruht der positive, gesamtdeutsche Wohlfahrtseffekt durch den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) vor allem auf seiner Funktion als Verkehrsachse. Durch kürzere Wege zu den Anrainerstaaten der Ostsee reduziert er die Handelskosten für Exporteure und Importeure deutlich. Deutschland profitiert durch den NOK mit rund 570 Mio. EUR pro Jahr, davon sind gut 140 Mio. EUR Einnahmen von Beschäftigten und Firmen mit direktem NOK-Bezug.

„Die deutsche Politik sollte investieren, damit der Kanal laufend instandgehalten und modernisiert wird. Die Nutzungsentgelte sollten zudem flexibel auf veränderte Treibstoffkosten reagieren, damit Schiffe den Kanal nicht umfahren“, Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel). Insbesondere auch die deutschen Seehäfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven profitieren vom Kanal. Der NOK erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass Ladung dort gelöscht wird. Zusätzlich jedes vierte bis fünfte Schiff entscheidet sich nach Durchfahrt des NOK für das Anlaufen eines deutschen Seehafens anstelle der Häfen in Amsterdam, Rotterdam oder Antwerpen – auch kurzfristig.

Routen durch den NOK - Ernst Russ AG
Der NOK verbindet Skandinavien und die baltischen Staaten mit den Nordseehäfen und den Hauptschifffahrtsrouten im internationalen Welthandel. Im Schnitt liegt die Ersparnis bei 260 Seemeilen bzw. 14–18 Stunden.

Die Geschichte des NOK

Der Nord-Ostsee-Kanal ist eine der wichtigsten künstlich angelegten Wasserstraßen der Welt. Rund 32.000 Seeschiffe, darunter viele Feeder-, Kreuzfahrt- und auch Binnenschiffe passieren ihn jährlich. Gebaut wurde er vor über 125 Jahren, der Startschuss für den Bau war sogar bereits am 3. Juni 1887. Gebaut wurde der Kanal, um der kaiserlichen Flotte den Verkehr zwischen Nord- und Ostsee zu ermöglichen, ohne dabei dänische Hoheitsgewässer durchqueren zu müssen. Kaiser Wilhelm I. und Reichskanzler Otto von Bismarck beschlossen den Durchbruch der Landenge zwischen Brunsbüttel und Kiel-Holtenau und bis zu 9.000 Arbeiter aus ganz Europa stellten den Kanal innerhalb von acht Jahren fertig.

Am 21. Juni 1895 wurde der Kanal unter dem Namen „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ eröffnet, der amtierende Kaiser Wilhelm II. taufte ihn zu Ehren seines Großvaters. Rund zehn Jahre später waren die Schiffe der kaiserlichen Marine aber bereits so groß, dass das ca. 67 Meter breite Gewässer kaum noch ausreichte. Daraufhin wurde zwischen 1907 und 1914 die Fahrrinne von 22 auf 44 Meter verbreitert. Der einst für die Marine erschaffene Kanal entwickelte sich nach dem zweiten Weltkrieg schnell zur Kreuzfahrt- und Warenroute zwischen Ost- und Nordsee und gewann zunehmend an internationaler Bedeutung. Im Jahr 1948 wurde er dann schließlich zum „Nord-Ostsee-Kanal“ umbenannt und bekam später, im Zuge einer zweiten Erweiterung, seine heutige Breite. Mit Ausnahme der Oststrecke wurde die Fahrrinne auf 90 Meter und die Gesamtbreite auf 162 Meter erweitert. Inzwischen ist der Nord-Ostsee-Kanal fast drei Mal so groß, wie der ehemalige Kaiser-Wilhelm-Kanal vor nun 125 Jahren.

NOK-Bauarbeiten zwischen Kiel und Rendsburg

Zurzeit werden Instandhaltungsarbeiten am Nord-Ostsee-Kanal zwischen Kiel und Rendsburg umgesetzt und laufen nach Meldung des Wasserstraßen-Neubauamtes NOK zügig und korrekt. 500 Mio. EUR wird der Oststreckenausbau kosten, 120 Mio. EUR kosten die Arbeiten des ersten Bauabschnitts. Die fast 100 Kilometer lange Wasserstraße zwischen Kiel und Brunsbüttel wird auf der Oststrecke verbreitert, um größere Schiffe insbesondere in den Kurvenbereichen leichter durch den Kanal fahren zu lassen. Außerdem wird eine Mindestsohlbreite von 70 Metern geschaffen. Bis 2030 soll das Projekt realisiert sein. 2020 sank die Ladungsmenge auf nur noch knapp 74 Mio. Tonnen – 11,6 % weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Schiffe ging ebenfalls um 12,3 % auf 25.247 zurück. Bereits vor der Coronavirus-Pandemie verzeichnete der NOK rückläufige Ladungsmengen der durch den NOK fahrenden Schiffe. Der Bund hält aber weiterhin am Ausbau der Wasserstraße fest und hofft auf positive Ergebnisse nach der geplanten Fertigstellung der Arbeiten bis 2030.

Sechs bis acht Stunden brauchen die Schiffe, um den knapp 100 Kilometer langen Kanal zwischen den Schleusen in Kiel und Brunsbüttel zu durchfahren - ohne Schleusenzeit.

Suez- und Panamakanal - Die ferne Verwandtschaft verdient das Vierfache

Der Nord-Ostsee-Kanal ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Im Gegensatz zur größeren Verwandtschaft wird allerdings mit dem NOK aufgrund der geringen Routenverkürzung und den kleineren Schiffen, die ihn befahren, nur vergleichsweise wenig verdient. Der Panamakanal ermöglicht rund fünf Prozent des weltweiten Frachthandels die verkürzte Passage – zwischen West- und Ostküste der USA aber auch von der Ostküste der USA und Asien.

Je nachdem, wie groß das Schiff ist, kann die Kanalfahrt bis zu rund 300.000 USD kosten. Durch den Suezkanal werden sogar zwölf Prozent des globalen Frachtvolumens und 30 Prozent des weltweiten Containervolumens geschleust. Durchschnittlich 52 Schiffe pro Tag passieren den Kanal, wodurch Ägypten im Jahr 2020 die Summe von rund 5,6 Mrd. USD mit Kanalpassagen verdient hat. Der Mehrwert für die Schiffe ist beim Suezkanal um ein Vielfaches höher als beim NOK, da auch die Routenersparnis sehr viel größer ist. Die alternative Route zum Suezkanal um die Südspitze Afrikas würde eine Woche länger dauern.

Weitere Tipps und Informationen finden Sie in dem aktuellen Investor's Quarterly.

Zurück