Corona-Effekt: Das globale Geldvermögen steigt auf Rekordwert

Im Gesamtjahr 2020 ist das weltweite Privatvermögen auf eine nie dagewesene Summe gestiegen. Börsenboom und Konsumflaute haben viele Menschen im Corona-Jahr reicher gemacht. Das Bruttogeldvermögen der privaten Haushalte weltweit kletterte nach Berechnungen des Versicherers Allianz auf die Rekordsumme von 200 Bio. EUR – ein Plus von 9,7 % zum Vorjahr.

Ernst Russ - Wirtschaft und Märkte
Im vergangenen Jahr konnten viele Menschen während der Pandemie weniger ausgehen oder in den Urlaub fahren oder auf anderen Wegen Geld ausgeben. In der Folge landete ein Großteil der nicht ausgegebenen Gelder auf dem Sparkonto.

2020 war ein Jahr extremer Gegensätze. Auf der einen Seite führte die Covid-19-Pandemie und ihre Folgen die Weltwirtschaft in die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Auf der anderen Seite wurden durch die Politik ungeahnte Summen zur Unterstützung der Wirtschaft mobilisiert. Einkommen wurden dadurch stabilisiert und die Aktienmärkte erholten sich.

Währenddessen reduzierten die Lockdowns die Gelegenheit zum Konsum. Die Spargelder schnellten um 78 % in die Höhe auf 5,2 Bio. EUR und erreichten einen absoluten Rekordwert. Die Einnahmen blieben im Jahr 2020 einfach auf dem Konto liegen und konnten sich sogar annähernd verdreifachen (+187 %). Auf Bankeinlagen entfielen in allen untersuchten Märkten die Hälfte oder mehr der frischen Spargelder, während auch die Vermögensklasse der Wertpapiere kräftig um 10,9 % zulegte. Die Entwicklung bei Versicherungen und Pensionsfonds war dagegen nach aktueller Analyse des Allianz Global Wealth Reports 2021 deutlich verhaltener (+6,3 %).

In Deutschland schnellte die Sparquote 2020 nach offiziellen Zahlen auf das Rekordhoch von 16,2 %. Von 100 EUR verfügbarem Einkommen beließen die Haushalte im Schnitt gut 16 EUR auf dem Bankkonto. Wer Vermögen hatte, profitierte in der Pandemie zudem davon, dass Staaten und Zentralbanken den Corona-Schock mit milliardenschweren Hilfen abfederten. Die Aktienmärkte konnten sich damit rasch erholen. Partizipiert haben daran diejenigen in Deutschland, die die Börse für sich entdeckt haben. 12,35 Mio. Aktionäre zählte das Deutsche Aktieninstitut im Jahr 2020 und damit den höchsten Stand seit fast 20 Jahren. Mit einem Bruttogeldvermögen von 85.370 EUR/Kopf rangieren die Deutschen in der Rangliste der 20 reichsten Länder wie ein Jahr zuvor auf Platz 19 vor Italien. Die Brutto-Rangliste führen wie in den Jahren zuvor die Schweizer an mit nun 313.260 EUR/Kopf vor den US-Amerikanern (260.580 EUR) und den Dänen (212.570 EUR). Abzüglich Schulden lagen die Amerikaner mit 218.470 EUR vorn, gefolgt von den Schweizern (212.050 EUR). Im vergangenen Jahr konnten viele Menschen während der Pandemie weniger ausgehen oder in den Urlaub fahren oder auf anderen Wegen Geld ausgeben. In der Folge landete ein Großteil der nicht ausgegebenen Gelder auf dem Sparkonto.

Allianz-Prognose: Weiteres Vermögenswachstum im Jahre 2021

Das Ende des Vermögenswachstums ist nach Einschätzung der Allianz-Ökonomen nicht in Sicht: Für das laufende Jahr prognostizieren sie sieben Prozent Zuwachs. Allerdings ist die gewaltige Summe nach wie vor alles andere als gleich verteilt. Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung – etwa 520 Mio. Menschen in den 57 untersuchten Ländern – besitzen den Angaben zufolge zusammen gut 84% des gesamten Vermögens. Und das eine Prozent der Superreichen darunter kommt auf fast 41 % der Gesamtsumme – durchschnittliches Geldvermögen abzüglich Schulden: mehr als 1,2 Mio. EUR. Die Pandemie dürfte nach Einschätzung der Allianz-Experten die Vermögensungleichheit verschärfen, sowohl zwischen reichen und ärmeren Ländern als auch innerhalb der Staaten. Nach Angaben des Allianz Global Wealth Reports 2021 ist auch in diesem Jahr mit einer ähnlich dynamischen Entwicklung zu rechnen. Sofern es nicht Ende 2021 noch zu einer „heftigen Börsenkorrektur“ komme, könnte das globale Brutto-Geldvermögen um rund sieben Prozent wachsen.

Weitere Tipps und Informationen finden Sie in dem aktuellen Investor's Quarterly.

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