Standpunkt Baukindergeld

„... Glücklich also diejenigen, die standorttreu im ländlichen, strukturschwachen Raum bei einer maximal entspannten Wohnungssituation investieren möchten.“

Matthias Voss, Geschäftsführender Gesellschafter der Assetando Gruppe

Ich bin auf dem Land groß geworden und kenne mich daher dort ganz gut aus. Schon damals habe ich aber nicht verstanden, weshalb ein Landwirt Subventionen für den Bau einer neuen Maschinenhalle erhält. Und warum sein Berufskollege im selben Ort, der sein Land zur Brachfläche erklärt hat, ebenfalls öffentliche Mittel bekommt. Ehrlicherweise verstehe ich das bis heute nicht. So erging es mir beispielsweise auch bei den späteren Fördergebietsabschreibungen oder auch der Eigenheimzulage. Und nun – der flachen Lernkurve des Steuergesetzgebers sei Dank – kommt das Baukindergeld! Viele Branchenvertreter jubeln. Aber nicht jeder Geldsegen für die Immobilienwirtschaft ist sinnvoll und begrüßenswert. Ich bin mir sicher, diese Steuergelder – das Bundesbauministerium rechnet mit etwa zehn Milliarden Euro – könnten für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum besser verwendet werden.

Zu den Fakten: Seit Mitte September können Fördermittel beantragt werden. Der Staat zahlt für jedes im Haushalt lebende Kind unter 18 Jahren Baukindergeld in Höhe von 1.200 Euro pro Jahr für maximal zehn Jahre. Das zu versteuernde Haushaltseinkommen darf nicht über 75.000 Euro liegen, wobei pro Kind ein Freibetrag in Höhe von 15.000 Euro gewährt wird. Konkret bedeutet das: Eine Familie mit zwei Kindern darf maximal 105.000 Euro pro Jahr verdienen. Wer darüber liegt, hat keinen Anspruch auf Baukindergeld.

Wo in Deutschland Familien Wohnraum erwerben oder bauen, ist für die Förderung unerheblich, und damit beginnt der Unsinn. Betrachten wir die möglichen „Profiteure“ im Einzelnen: Entweder Sie verdienen so wenig, dass Sie sich ohnehin kein Wohneigentum leisten können, dann nützt Ihnen das Baukindergeld natürlich nichts, und Sie müssen damit leben, dass auch Ihre Steuergelder denen aus Ihrer Perspektive Besserdienenden zugutekommen – ganz toll! Oder Sie wohnen in einer Metropolregion, zum Beispiel in Hamburg – dann werden Sie vermutlich auch wenig Freude am Baukindergeld haben. Jedenfalls dürften Sie bei der definierten Einkommensgrenze nur bei einer größeren Erbschaft zu Wohneigentum kommen. Oder Sie sind beruflich flexibel und bereit, auch einmal umzuziehen – auch dann ist das Baukindergeld leider nichts für Sie. Glücklich also diejenigen, die standorttreu im ländlichen, strukturschwachen Raum bei einer maximal entspannten Wohnungssituation investieren möchten. Hier wirkt das Baukindergeld, und die Familien dürfen sich freuen, ebenso wie auch die Immobilienwirtschaft in dieser Region.

Schade nur, dass der Nebeneffekt zu einer völligen Fehlallokation der Steuergelder führt. Wir schaffen damit genau dort Wohnraum, wo er nicht benötigt wird. Gleichzeitig führt die Förderung in den Metropolregionen zu keiner Entspannung des Wohnungsmarktes: Mieter, vor allem junge Familien, die verzweifelt bezahlbaren Wohnraum etwa in Hamburg suchen, schauen beim Baukindergeld in die Röhre.

Nun kommt „zum Glück“ auch noch die von unserer Branche lange geforderte Sonder-AFA in Spiel. Voraussetzung für deren Inanspruchnahme ist unter anderem, dass die Herstellungs- und Anschaffungskosten nicht mehr als 3.000 Euro pro Quadratmeter betragen. Was schätzen Sie, in welchen Regionen dieses Kriterium einzuhalten ist, und wie viele Neubauwohnungen im angespannten Hamburger Markt diese Kostengrenze unterschreiten? Ich bekomme die widersprüchlichen Subventionen aus den 1980er Jahren für unsere Landwirte in meiner Heimatregion gerade irgendwie nicht aus dem Kopf ….

Matthias Voss
Geschäftsführender Gesellschafter der
Assetando Real Estate GmbH

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