Seife und Toilettenpapier: Deutschland ist gut versorgt

In den letzten Tagen stehen viele Deutsche beim Einkaufen vor leeren Toilettenpapier-Regalen. Deutsche Einzelhändler und Produzenten melden aufgrund der Coronavirus-Pandemie eine deutlich stärkere Nachfrage bei vielen Körperhygieneprodukten als im vergangenen Jahr. Es gibt aber keine Lieferengpässe, beruhigen die deutschen Containerschiff-Reeder, der Hamburger Hafen und der deutsche Handel.

Seife
Der Hafen, die Produzenten, die Lieferanten und die Händler werden somit auch zukünftig die Nachfrage stillen können.

Erstmals schnellten die Absatzzahlen von Hygieneartikeln und auch von einigen Lebensmittel in der letzten Februarwoche (Kalenderwoche 9) in die Höhe. Bereits in dieser Woche verzeichnete das Statistische Bundesamt Absatzzahlen für Mehl (+150 %), Seife (+122 %) oder Teigwaren (+109 %), die im Vergleich zum Durchschnitt der sechs Monate zuvor mehr als doppelt so hoch waren. In der 12. Kalenderwoche war die Nachfrage nach Toilettenpapier mehr als drei Mal so hoch (+211 %) und in der ersten Märzwoche (Kalenderwoche 10) war die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln bereits auf mehr als das Achtfache im Vergleich zum Durchschnitt des vorherigen halben Jahres (+751 %) angestiegen.

Im Jahr 2019 kaufte durchschnittlich jeder Deutsche WC-Papier im Wert von 20,22 Euro. Der Durchschnittsverbrauch einer Person beträgt sechs Rollen im Monat. Trotz Hamsterkäufen in der Coronakrise bleibt der Gesamtbedarf der Bevölkerung allerdings ungefähr gleich. Die Auftragsflut wird nicht zu Lieferengpässen führen: Der Hamburger Hafen, Europas größter Drogeriekonzern dm sowie der Verband deutscher Papierindustrie (VDP) betonen, dass die Produktion und die Lieferketten einwandfrei funktionieren. Selbst bei Maßnahmen wie Ausgangssperren und Grenzschließungen blieben Warenverkehr und Versorgung unbeeinträchtigt.

Hierfür laufen beispielsweise bei dem Unternehmen WEPA die Papiermaschinen 24 Stunden am Tag. Nach der Gesundheit und Sicherheit von Mitarbeitern habe die Versorgungssicherheit höchste Priorität, bekräftigt der Vorstandsvorsitzende. Auch im Zentrallager des mittelständischen Großhandelsunternehmen Bartels-Langness in Neumünster wird zurzeit im Zweischichtsystem und am Wochenende gearbeitet, um täglich 1.500 Einzelhändler, Kioske und. Tankstellen in Norddeutschland zu beliefern.

Toilettenpapier
Der Hamburger Universalhafen ist spezialisiert auf den Umschlag von Papier und Papierprodukten, die zum Stückgutumschlag zählen.

Hafen Hamburg Marketing erklärt dazu: Die Toilettenpapier-Bestellungen der Filialen erfolgen normalerweise in längeren Abständen, da Klopapier nicht zu Waren wie Milch gehört, die häufiger gekauft werden. Durch das plötzliche Nachfragehoch gerät die bedarfssynchrone Logistikkette durcheinander: es kommt zu Verschiebungen. Aufgrund seines geringen Gewichtes und Kaufpreises ist der Lkw-Transport von Hygienepapier erst bei kurzen Anfahrtswegen zum Verbraucher von bis zu maximal 500 Kilometern profitabel. Daher braucht es viele Produktionsstätten.

Insgesamt gilt aber, dass Deutschland gut aufgestellt ist beim Toilettenpapier: Wir besitzen die größte Papierindustrie Europas. Beim weltweiten Umsatz mit Hygienepapier liegt die Bundesrepublik laut dem Statistik-Portal statista auf Platz acht, mit 4.983 Mio. EUR. Platz eins belegt China. Im Jahr 2018 erzeugte Deutschland rund 1,5 Mio. Tonnen Hygienepapier, bei einer Produktionskapazität von rund 1,6 Mio. Tonnen. Der Absatz in Deutschland betrug im Januar 129.000 Tonnen und damit 0,6 % weniger als im Vorjahresmonat.

Nach Angaben der Hafen Hamburg Marketing ist Altpapier seit einigen Jahren der wichtigste Rohstoff für die Papierindustrie in Deutschland. Das zur Produktion benötigte Holz stammt zum Großteil aus dem Inland. Zellstoff macht etwa 15 % der verbrauchten Rohstoffe aus und wird meist importiert. Der überwiegend verwendete Kurzfaserzellstoff kam 2018 zu 45 % aus Brasilien, Langfaserzellstoff fast zur Hälfte aus Schweden. Der Hamburger Universalhafen ist spezialisiert auf den Umschlag von Papier und Papierprodukten, die zum Stückgutumschlag zählen. Jährlich werden rund 8 Mio. Tonnen Pappe, Papier und Papierprodukte im Hafen umgeschlagen, davon etwa 2,5 Mio. Tonnen im Import. Papier und Papierprodukte werden auch weiterhin in Containern verpackt in den Hafen kommen oder werden in den genormten Stahlboxen für den Export verschifft. Der Hafen, die Produzenten, die Lieferanten und die Händler werden somit auch zukünftig die Nachfrage stillen können, auch wenn auf vielen stillen Örtchen in Deutschland verstärkt Klopapier eingelagert wird.

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