Neues Wissenschafts-Cluster an der Elbe

Bei der Fahrt durch den Hafen Harburg zeigen sich Industriebrachen, alte Lagerhallen, gewaltige Fertigungsanlagen – und immer öfter neue, große Bauprojekte. Eines der größten Projekte, das hier zurzeit umgesetzt werden soll, ist der Hamburg Innovation Port (HIP). Momentan ist davon noch nicht viel zu sehen. Die Technische Universität Harburg (TUHH), deren düstere Backsteingebäude sich in der Nähe des Bauplatzes befinden, und viele weitere Forschungs- und Wirtschaftsunternehmen stehen aber bereit, um die Flächen mit Leben zu füllen.

Der Harburger Binnenhafen und der HIP – bis Ende 2018 soll das Großbauprojekt stehen
Der Harburger Binnenhafen und der HIP – bis Ende 2018 soll das Großbauprojekt stehen

Der Harburger Binnenhafen und der HIP – bis Ende 2018 soll das Großbauprojekt stehen

Im Hamburg Innovation Port in Harburgs Binnenhafen soll die Start-up- und Gründer-Szene der Zukunft festmachen. Mit der Mischung aus Hightech-Unternehmen und Forschungseinrichtungen, zu denen neben der TUHH auch das Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Fraunhofer-Gesellschaft gehören, soll der Standort die Voraussetzungen bieten, um eines der innovativsten Forschungszentren Europas zu werden. Gründer, Startups und weitere ansiedlungswillige Betriebe sollen hier zusammenkommen und in einem inspirierenden Umfeld die zur Verfügung stehende Infrastruktur nutzen – soweit die Planung.

Damit das Konzept für einen kreativen Ideenhafen in die Tat umgesetzt werden kann, soll über die Basisausstattung aus Kongress- und Gastronomie-Angeboten hinaus auch inhaltlich eine Wirtschafts- und Wissenschaftsplattform für Workshops und Konferenzen entstehen. Der Schwerpunkt werde dann auf der Entwicklung digitaler Technologien für Transportsysteme in Schiff- und Luftfahrt sowie für Produktionssysteme und Logistik liegen.

Die Forschungseinrichtungen, die die Flächen bislang nutzen möchten, belegen Forschungs- und Entwicklungsfelder in den Bereichen:

  • Transport mit den Schwerpunkten digitale Schifffahrt/Flugfahrt
  • Produktion mit dem Schwerpunkt „Digital Production Systems“
  • Logistik mit dem Schwerpunkt „Digital Logistics“

Günstig für den Hamburg Innovation Port und die zügige Umsetzung der Entwicklungspläne ist, dass die Hamburger Bürgerschaft sich mit einem Antrag dazu verpflichtet hat, die Erweiterung der Technischen Universität Hamburg finanziell zu unterstützen. Der städtische Zuschuss, der heute bei jährlich 70 Mio. EUR liegt, soll innerhalb der nächsten zehn Jahre um 30 % ansteigen. Die Zahl der Studenten würde sich ebenso von heute 7.600 auf 10.000 erhöhen. Der daraus resultierende zusätzliche Raumbedarf der Technischen Universität ließe sich optimal mit den Räumen im neuen HIP abdecken – eine sehr gute Option, da die TUHH bereits im Hafen vertreten ist und das modulare Baukonzept von Arne Weber (Geschäftsführer der HC Hagemann Gruppe) gut zu der schrittweisen Wachstumsstrategie der TUHH passt.

Nach Fertigstellung aller Bauabschnitte wird der Hamburg Innovation Port Platz für rund 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze im Hamburger Süden bieten – ein guter Grund für die Stadt Hamburg das Projekt zu unterstützen. Zudem verschafft sie dem HIP politischen Rückenwind, da der Senat die Elbmetropole zu einer der wichtigsten Innovationshauptstädte Europas machen will. Hierfür soll nicht nur ein einziger Gebäudekomplex wie in Hamburg Harburg errichtet werden, sondern in den Hamburger Standorten Bahrenfeld, Bergedorf sowie Harburg ein Netz von Forschungs- und Innovationsparks (F&I-Parks) entstehen. Damit soll „die themenorientierte, anwendungsnahe Forschung und Entwicklung wie auch der Technologie- und Wissenstransfer gefördert werden“, so das offizielle Statement.

Im Umbruch: Ein Stadtgebiet mit einer Größe von über 100 Hektar

Der Gewinner des Wettbewerbs um die Bebauung der 20.000 m² Fläche ist das niederländische Architektenbüro MVRDV aus Rotterdam – mit einem Entwurf, der eine Nutzfläche von insgesamt 70.000 m² vorsieht.

Zurück in Hamburg Harburg: Der Gewinner des Wettbewerbs um die Bebauung der 20.000 m² Fläche ist das niederländische Architektenbüro MVRDV aus Rotterdam – mit einem Entwurf, der eine Nutzfläche von insgesamt 70.000 m² vorsieht.

„Nähe zu Forschung und Wissenschaft, gute Infrastruktur und eine interessante Architektursprache aus Alt und Neu machen den Harburger Binnenhafen zu einem besonderen Standort in der Metropolregion.“

Von dem Zweitplatzierten (Teherani Architects) würden nach Informationen des Stadtplanungsausschusses der Bezirksversammlung Harburg zwei Ideen übernommen: Zum einen der Wasserzugang – aufgrund der Kaimauerlänge von 200 Metern sei auch eine Seeschifftauglichkeit gegeben – sowie der Erhalt einer alten Betonhalle aus den 90er Jahren.
Bereits in diesem Jahr wird mit dem ersten Bauabschnitt begonnen. Ab 2018 können dann 8.000 m² Büro- und Forschungsfläche für Unternehmen, Gründer wie auch für den Erweiterungsbedarf der TUHH genutzt werden. Die Nachfrage nach Flächen im Hamburg Innovation Port ist nach Angaben von Arne Weber, dessen Unternehmen für die Realisierung und den Betrieb des Hamburg Innovation Port zuständig ist, bereits groß. Die vorbereitenden Maßnahmen vor Beginn des ersten Bauabschnittes sind im Gange, z. B. der Einsatz des Kampfmittelräumdienstes.

Aktuell ist das Harburger Bezirksamt im Zuge der HIP-Planungen auch bei der Hotelbauplanung sehr aktiv. Die Zahl der Hotelzimmer werde nach Angaben eines mittelfristigen Hotelentwicklungsplans zwischen Harburg und Neugraben-Fischbek von aktuell 723 auf 2.400 erhöht werden. Allein fünf zusätzliche Fünf-Sterne-Häuser sollen im Binnenhafen oder am S- und Fernbahnhof entstehen – und im restlichen Harburger Stadtgebiet viele weitere. Das industriell geprägte Arbeiter-Quartier Hamburg Harburg wird demnach ganze 17 neue Hotels bekommen; die Anzahl der Hotelzimmer wird sich mit der Umsetzung dieser Pläne mehr als verdreifachen. Die Planer könnten damit deutlich über das Ziel hinausschießen – unverkennbar ist hierbei aber, dass in Hamburg Harburg zurzeit groß gedacht wird.

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