Mehr Fracht kommt über's Meer

Deutsche Häfen wachsen, Asiens Häfen sind effizienter und besser vernetzt

Die deutschen Häfen verzeichneten im vergangenen Jahr steigende Mengen an Seefracht. Container- und andere Frachtschiffe transportierten 2018 rund 300 Mio. Tonnen Güter über die deutschen Seehäfen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das 1,6 % mehr als im Vorjahr. Asiens Seeschifffahrt hat deutlich höhere Fracht- und Wachstumsraten.

Container
In Hamburg, Deutschlands wichtigstem Hafen und Platz 19 des UNCTAD-Rankings, wurden 2018 rund 8,7 Millionen TEU umgeschlagen – mit einem leichten Minus von einem Prozent (Foto: Adobe Stock © nespix)

Bei noch immer schwieriger Gesamtlage auf dem Schifffahrtsmarkt verzeichneten die deutschen Häfen im vergangenen Jahr steigende Mengen an Seefracht. Die Bundesregierung hat dazu aktuell ihren sechsten Bericht „über die Entwicklung und Zukunftsperspektiven der maritimen Wirtschaft in Deutschland“ veröffentlicht und schreibt zur grundsätzlichen Lage der Deutschen Schifffahrt. „Die Lage in der Seeschifffahrt wurde in den vergangenen Jahren maßgeblich durch ein Überangebot an Schiffsraum geprägt. Angesichts des Drucks auf die Frachtraten gewinnt die Konsolidierung bzw. Kooperation unter Reedereien an Bedeutung. Auch 2017/2018 konnten sich nur wenige deutsche Reedereien an den nationalen und internationalen Kapitalmärkten mit frischem Kapital versorgen.

Insbesondere aufgrund des konsequenten Abbaus der Schiffsportfolien deutscher Banken besteht unverändert ein Finanzierungsengpass für kleine und mittelständische Reedereien.“¹

China und Asiens Länder: Die Gewinner der internationalen Frachtschifffahrt

Die Minimierung der Handelskosten wird durch effiziente und gut vernetzte Häfen vorangetrieben. Die Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) hat die Effizienz, die Vernetzung sowie allgemein die Leistungsfähigkeit der internationalen Häfen untersucht und einen eindeutigen Gewinner gefunden: Chinas Häfen.

Unter den 20 besten Häfen der Welt, befinden sich 15 Häfen in Asien von diesen wiederum elf in China. Der Hafen von Shanghai hat mit einem Umschlag von rund 42 Mio. TEU den ersten Platz im Effizienz-Ranking der UNCTAD belegt, auch wenn sich die jährliche Wachstumsrate durch eine Verringerung des heimischen Handels von 8.3 % in 2017 auf 4.4 %
in diesem Jahr abgeschwächt hat. Vom Januar bis zum November 2017 sprang Shanghais Containerhandel auf 16,7 % in die Höhe, im darauffolgenden Jahr 2018 waren es dann nur noch 3,4 %. Trotzdem ist China und der Hafen in Shanghai, als einer von ca. 2.000 Binnen- und Seehäfen der Volksrepublik, unbestritten der Dreh- und Angelpunkt der globalen Containerschiff fahrt.

Den ersten Platz hat Shanghai ergattert (134 Punkte), gefolgt von den Häfen Singapur (124,63 Punkte), Busan (114,45 Punkte) in Südkorea und Ningbo (114,35 Punkte) wiederum in China. Damit haben die Häfen im Reich der Mitte deutlich ihre Marktführerschaft bewiesen. Das Ranking der 20 weltgrößten Containerhäfen spiegelt auch Chinas Aufstieg zur Handels-Supermacht seit Beginn der Globalisierung wider.

Container
Die hafenabhängige Wirtschaft sichert insgesamt mehr als 520.000 Arbeitsplätze. Jährlich werden Umsätze in Höhe von 62 Mrd. EUR angestoßen sowie eine Wertschöpfung von 25,6 Mrd. EUR erzielt (Foto: Adobe Stock © nespix)

Neben den asiatischen können aber auch europäische Häfen in Antwerpen/Belgien (94 Punkte) und Rotterdam/Niederlande (93 Punkte) glänzen. Ganz ohne asiatische Hilfe kommen die Häfen Europas allerdings nicht aus: Der Hafen Piräus in Griechenland, der im vergangenen Jahr zu dem am besten angebundenen Hafen im Mittelmeerraum erklärt wurde, wird von COSCO aus China betrieben. Keiner der Häfen in der Top 20-Liste befindet sich in Afrika, Lateinamerika, Südamerika oder Australasien. In Afrika haben sich sowohl die geographische Lage als auch Hafenreformen als kritische Faktoren herausgestellt.

Die Hafenauslastung wird deutlich steigen

Die Pläne für Kapazitätserweiterungen der Terminalbetreiber sind vor dem Hintergrund der aktuellen Prognosen zurückhaltend. Das verhaltene Wachstum und die zahlreichen Unsicherheiten lassen die Handelserwartungen auf dem niedrigsten Niveau seit Ausbruch des Handelskonflikts im vergangenen Jahr sinken. Nach Zahlen des „Global Container Terminal Operators Annual Review and Forecast 2019“ von Drewry wird die Umschlagkapazität auf Basis bestätigter Pläne jährlich um lediglich 2 % wachsen – nach den Analysten des Beratungsunternehmens Drewry von 784 Mio. TEU im Jahr 2018 auf weltweit insgesamt rund 973 Mio. TEU im Jahr 2023.

Die durchschnittliche Auslastung wird nach den Zahlen von Drewry ebenfalls deutlich zunehmen – nach 70 % im Jahr 2018 auf 79 % 2023. Zu noch höherem Auslastungsanstieg – bis zu 100 % im Jahr 2023 – werde es in Südostasien sowie im Wirtschaftsraum Greater China, d. h. in der Volksrepublik China (Festlandchina, Hongkong und Macau) und der Republik China (Taiwan) kommen.

Zurück