Living in a Box - mit Containern bauen

In Containern lassen sich nicht nur Waren rund um die Welt transportieren … man kann auch hervorragend darin wohnen. Architekten und Stadtplaner, die es cool und günstig mögen, erschaffen aus den großen Metallboxen Ferienhäuser, Hotels, Foodtrucks und ganze Vergnügungsparks.

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Die bunte Fassade des Hive-Inn: Wer heute mit seinem Wohncontainer in Hongkong lebt, kann schon in der nächsten Woche mit seinem mobilen Heim in Sydney andocken - vorausgesetzt, es gibt auch dort das Hotelcontainergerüst.

Die Schifffahrt und den internationalen Handel haben die großen Metallboxen schon vor Jahrzehnten revolutioniert – jetzt könnte der Wohnungsmarkt an der Reihe sein. Container sind günstig, praktisch und daher beliebt wie noch nie – auch dort, wo man sie erstmal nicht erwarten würde.

Aus dem Welthandel sind Container schon seit fast hundert Jahren nicht mehr wegzudenken. Vor knapp 60 Jahren ging das erste Schiff mit 58 Containern beladen auf die Reise – der Beginn des Siegeszuges der heutigen Standardcontainer. Die Container sind genormt und immer gleich groß, egal, wo sie hergestellt werden. Im Fall des 20 Fuss-Standardcontainers (TEU) bedeutet dies: Sie sind exakt 6.058 mm lang, 2.438 mm breit und 2.591 mm hoch. Diese Normung ermöglicht die Konstruktion von Schiffen, auf die die Container gut verladen werden können. Sie ermöglicht aber auch die Verwendung als Module, z. B. zum Bau von Häusern, zum Verladen auf Auto-Transporter oder auf Züge, deren Wagen an die Containermaße angepasst werden können. Heute gibt es kaum noch Stückgut, das nicht in Containern transportiert wird. Und es gibt immer mehr Ideen, was man aus Containern noch alles machen kann.

Stahlgebürstetes Wohnungsflair

Ist der Container die Antwort auf zukünftige Wohnungsknappheit? Sicher nicht, ohne Frage sind die Stahlschachteln in der Architektur derzeit aber auf einem weltweiten Siegeszug. Das liegt auch daran, dass Transportcontainer überall auf der Welt in großen Stückzahlen und unterschiedlichen Arten gebraucht und produziert werden. Die Transportboxen sind allgemein so konstruiert, dass sie der Witterung standhalten und auch beim Transport einiges aushalten. Sie sind so stabil, dass Hochhäuser mit ihnen errichtet werden können - solange ein Gittersystem aus Stahlträgern die komplette Konstruktion stabilisiert. Für Las Vegas-Touristen lohnt sich ein Besuch im "Downtown Container Park" - ein riesiges Shoppingcenter mit zahlreichen Entertainment- Angeboten. In dem Familienpark wurden viele ausgediente Schiffscontainer verbaut - in den verrücktesten Kombinationen.

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Tetris für Fortgeschrittene

Architekten und Kreative planen mit Containern Gebäude aller Art - die Stahlboxen taugen laut Konzeptstudie auch als Büro, Praxen, Krankenstationen oder als Modulwohnungen für Menschen, die viel unterwegs sind und ihr Zuhause wie Schnecken mit sich führen.
Ob das Konzept der modularen Wohneinheiten aber tatsächlich verwirklicht wird, ist ungewiss. Im Augenblick besteht die Idee der Verbindung von Recycling, Wohnen und Marketing auf der Außenfläche der Container erst noch auf dem Papier. Am häufigsten werden mit den Stahlboxen aber coole Kulissen für das Vergnügen und das Nachtleben geschaffen - immer höher, immer bunter und immer skurriler.

Container inspirieren Architekten und Designer

Da sich Container verhältnismäßig leicht transportieren lassen, wetterbeständig und stabil sind, sind sie z. B. als mobile Zimmer oder Häuser gut einsetzbar. In ihrer Schlichtheit und Coolness inspirieren die großen Kisten zunehmend Designer und Architekten. So hat das Team von OVA-Studio, einem innovativen Hongkonger Architektenbüro, ein mobiles Hotel entworfen. Der Grundgedanke ist ein Gerüst, in das Container „eingehakt“ werden können. So entsteht ein Containerturm, jeder Container ein Zimmer mit individuellem Design – und transportierbar. Wer heute in Hongkong andockt, kann schon morgen nicht sein Zelt, sondern seinen Container in Sydney aufschlagen, vorausgesetzt, es gibt auch dort das Hotelcontainergerüst. Hive-Inn heißt das Konzept, bisher nur ein Plan, vielleicht aber bald Wirklichkeit.

Außen spartanisch und innen traditionell chinesisch ist das Xiang Xiang Pray House in Changzhi im Südwesten Chinas. Aus 35 gebrauchten Schiffscontainern ist hier innerhalb eines Tempelkomplexes ein hochmodernes Hotel mit WLAN und Klimaanlage entstanden.

Die Idee des nachhaltigen Reisens und des Recyclings lässt sich mit Containern sehr gut umsetzen. Der Innenraum der Metallboxen lässt sich wunderbar gestalten und wenn man Kühlcontainer nutzt, bekommt man die Isolierung gleich mitgeliefert. Anatoly Mezhov und Irene Polo, Inhaber der kleinen australischen Firma Contained, haben mobile Design-Zimmer entwickelt, die sich überall auf der Welt aufstellen lassen. „Es gibt so viele wunderbare Reiseziele. Wir wollen ein tragbares Hotel entwickeln, das schön ist, nachhaltig und komfortabel. So kann man auch abgelegene Orte bereisen, ohne auf gewisse Standards verzichten zu müssen“, sagt Mezhov.

Immobilien-Experte Marcus Piskorz von der Assetando Real Estate
"... moderne Streetfood Market-Atmosphäre mit Shopping-Erlebnissen lokaler und internationaler Marken"

Pop-up Shops und Vergnügungsparks – alles ist möglich

Aus Containern lassen sich auch ganze Stadtteile und Vergnügungsparks bauen, die nicht nur praktisch, sondern auch cool sind. Nahe Las Vegas in den USA liegt der Downtown Container Park. Türme aus Containern, Restaurants in Containern, Rutschen und eine entspannte Atmosphäre locken Shopper, Touristen und Familien auf das Gelände, das komplett aus gebrauchten Seecontainern besteht.
Container-Coolness ist auch in Europa gefragt. In Amsterdam trifft man sich im pllek. Mit Blick auf die Stadt kann man in dem Restaurant, das gleichzeitig eine Partylocation und Hang-out für die „cool crowd“ ist, entspannte Hafenatmosphäre genießen und auch im Winter durch die riesige Glasfassade über den Fluss blicken. Das Restaurant besteht aus übereinandergestapelten Schiffscontainern, deren rauher Charme bewahrt wurde.

Auch die weltweit erste Pop-up-Mall besteht aus restaurierten Schiffscontainern. In London eröffnete im Jahre 2011 der Boxpark Croydon und verbindet die Idee der modernen Streetfood market-Atmosphäre mit Shopping-Erlebnissen lokaler und internationaler Marken. Die Container-Architektur schafft ein lässiges Flair, der Hauch der Weltmeere scheint noch spürbar – und das zu günstigen Bau- und damit Mietpreisen. So können sich auch lokale und kleinere Unternehmen ein Geschäft im Boxpark leisten. Teilweise werden die Boxen nur für eine Woche vermietet, dann zieht der nächste Shop ein. Das passt gut zum entspannten Lebens- und Stilgefühl der Londoner und ermöglichte die Eröffnung des zweiten Boxparks in Shoreditch.

Container machen also auch wirtschaftlich viel Sinn. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass die Container an sich zwar wenig kosten – teilweise werden sie in deutschen Gemeinden sogar verschenkt. Wer aber Innen im Luxus leben möchte, muss dafür tiefer in die Tasche greifen. Und wie tief die ist, kann nur jeder selbst entscheiden.

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