Der Fokus liegt auf langfristigem Wachstum

Die Ernst Russ Gruppe hat sich neu aufgestellt und präsentiert sich heute als Investor sowie als international agierender börsengehandelter Asset- und Investmentmanager mit Schwerpunkt auf den Segmenten Shipping und Real Estate. Was sich der Vorstand von der Neuausrichtung verspricht, erläutert er im Gespräch mit dem Nebenwerte-Journal.

Robert Gärtner setzt den Fokus auf die Segmente Shipping und Real Estate.
Robert Gärtner setzt den Fokus auf die Segmente Shipping und Real Estate.

NJ: Was hat sich im Vergleich zu Ihrem alten Geschäftsmodell geändert?

Robert Gärtner: Ernst Russ hat sich erfolgreich vom Emissionshaus zum Asset- und Investment-Manager weiterentwickelt. Es ist uns gelungen zeitnah auf aktuelle Marktbedingungen zu reagieren und uns neu am Markt zu positionieren. Zurzeit betreuen wir eine Flotte von rund 80 Container-, Tank-, Bulk- und sonstigen Schiffen sowie 40 Immobilien an 28 Standorten.

NJ: Warum haben Sie Ihre zentrale Treuhandgesellschaft PECURA Anleger- und Treuhandservice GmbH verkauft?

Robert Gärtner: Mit dem Verkauf des Segments Investor Management und weiteren Bereichen wie beispielsweise dem Solargeschäft ist uns ein wesentlicher Schritt zur Festigung des bestehenden Geschäftsmodells als Investor und Asset-Manager gelungen. Die Verschlankung der Konzernstruktur ist einer der entscheidenden Faktoren, um schlagkräftig und flexibel in diesen Bereichen tätig zu sein. Durch die Fokussierung auf die Segmente Shipping und Real Estate sehen wir uns für die vor uns liegenden Herausforderungen am Markt optimal gerüstet.

NJ: Lauern im alten Geschäftsmodell noch Restrisiken für Anleger?

Robert Gärtner: Wir haben die Risiken drastisch reduziert. Mit dem im Juni 2019 durchgeführten Verkauf des Geschäftsbereichs Investor Management konnten wir uns von teilweise erheblichen Risiken im Zusammenhang mit dem ehemaligen Emissionshausgeschäft befreien. Die Restrisiken, die nach der Finanzkrise aus anderen Bereichen geblieben waren, sind mit dem Verkauf der genannten Unternehmensbereiche größtenteils entfallen.

Ernst Russ AG - Büroräume

NJ: Warum haben Sie Ihre Beteiligung, immerhin 31,37 % der HAMMONIA Reederei GmbH & Co. KG, veräußert und im Gegenzug ein Portfolio von Bulkern und Containerschiffen gekauft?

Robert Gärtner: Die Hammonia Reederei ist technischer Bereederer von Bulkern, Container- und MPP-Schiffen. Die Frage ist aber: Wofür steht Ernst Russ? Wir brauchen die klare Abgrenzung und haben ein sehr deutlich definiertes Profil – in das die Beteiligung an einem technischen Bereederer nicht hineinpasst. Ernst Russ steht für gute Investments, die für alle Parteien einträglich sind und die sich in einem ganz bestimmten Rahmen bewegen. Wir haben beispielsweise die mehrheitliche Beteiligung an einem Schiffsportfolio bestehend aus einem Handymax-Bulker und einem 3100-TEU-Containerschiff übernommen - sowie kürzlich auch das 700-TEU-Containerschiff MV „Skogafoss“, das wir direkt und langfristig wieder verchartern konnten. Aber natürlich engagieren wir uns auch stark im Real-Estate-Segment – beispielsweise mit dem Kauf des rund 16.500 qm großen Projektgrundstücks in Bad Oldesloe, auf dem ab 2020 insgesamt voraussichtlich 136 Wohnungen entstehen.

NJ: Das JV Elbfeeder wurde hingegen auf 51 % aufgestockt. Bitte erläutern Sie die Logik hinter diesem Schritt?

Robert Gärtner: Im Grunde verkaufen wir derzeit alle nicht zu unserer Strategie passenden Segmente. Gleichzeitig bauen wir unsere Kernbereiche konsequent auf. Das im Segment Shipping bereits bestehende Joint Venture „ElbFeeder“ betreibt sieben Schiffe der Feeder-Klasse, die erfolgreich zum guten Ergebnis der Ernst Russ Gruppe beitragen. Wir werden auch weiterhin alle notwendigen Optimierungen und möglichen Opportunitäten prüfen und im besten Falle umsetzen. Unsere strategischen Partnerschaften wie ElbFeeder spielen dabei eine entscheidende Rolle für unser Portfolio. Auch im Segment Real Estate prüfen wir fortlaufend die Möglichkeit strategischer Partnerschaften.

NJ: Und abschließend bitte noch Ihre Einschätzung zum Thema (Wohn-)Immobilien am Bsp. Bad Oldesloe und Pinneberg?

Robert Gärtner: Die beiden Real-Estate-Projekte liegen mir besonders am Herzen, da sie das für Deutschland zentrale Thema geförderten Wohnungsbau betreffen. Es besteht nachhaltiger und dringender Bedarf an gefördertem Wohnraum. Wir haben eine starke Marktphase und erwarten eine konstant hohe Nachfrage. Bei den beiden Projekten verbinden sich sehr positiv unsere Aktivitäten als Investor, als Asset-Manager sowie als Projektentwickler im geförderten Wohnungsbau. Die Assetando ist ein Tochterunternehmen der Ernst Russ Gruppe und wird sich als unsere zentrale Immobilieneinheit auch in Zukunft, neben bestehenden Fonds- und Asset-Managementmandaten, verstärkt auf dieses Segment konzentrieren.

Ernst Russ AG - Büroräume

NJ: Die neue Struktur zeigt sich in den H1-Zahlen. Wie zufrieden sind Sie mit der ersten Jahreshälfte 2019?

Robert Gärtner: Es hat sich einiges verändert, was bereits im Halbjahresabschluss in Teilen sichtbar wird. Das Halbjahresergebnis der Ernst Russ AG wird maßgeblich durch die erfolgte Verschlankung der Konzernstruktur beeinflusst. Die strukturellen Veränderungen belasten einmalig das Halbjahresergebnis, werden jedoch in den kommenden 18 Monaten durch Einsparungen überkompensiert. Zudem konnten wir die im Rahmen der Risikoberichterstattung dargestellten Risiken deutlich verringern. Die Veränderungen im Konzern tragen nachhaltig dazu bei, in den Bereichen Asset-Investment und Asset-Management auch zukünftig schlagkräftig tätig zu sein. Im ersten Halbjahr 2019 haben wir in den beiden Kerngeschäftsfeldern Shipping und Real Estate wichtige Investitionen vorgenommen, die uns positiv in die Zukunft blicken lassen. Insofern sind wir zumindest nicht unzufrieden. Allerdings ist der Kurs unserer Aktie enttäuschend und wird dem Wert des Unternehmens nicht gerecht.

NJ: Was dürfen Anleger im Gesamtjahr 2019 erwarten?

Robert Gärtner: Viel! Wir haben uns gut positioniert und freuen uns auf die kommenden Jahre. Wir prüfen weiterhin aussichtsreiche Opportunitäten, die uns in unserer strategischen Ausrichtung voranbringen. Unsere strategischen Partnerschaften werden auch zukünftig eine entscheidende Rolle für unseren Erfolg spielen - im Segment Shipping wie auch im Segment Real Estate.

NJ: Herr Gärtner, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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