Die deutsche Schifffahrt: global, smart, green – und wettbewerbsfähig

Green Shipping und die Mobilitätswende sind zwei der Themenbereiche, die die Teilnehmer der aktuellen Nationalen Maritimen Konferenz in Friedrichshafen am Bodensee beschäftigten. Das Leitthema der Konferenz war allerdings die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland, die eng mit der deutschen Schifffahrt verknüpft ist. Leider sind zurzeit die Rahmenbedingungen nicht die besten, sodass Kanzlerin Merkel sowie die Kongressteilnehmer sich einig waren: „Wir müssen kämpfen“.

Aktuell geht es darum, die maritime Energiewende einzuleiten, mittel- bis langfristig den Abschied von Schiffsdiesel und Schweröl umzusetzen und mit den zusätzlichen Herausforderungen im Wettbewerb zu bestehen.
Aktuell geht es darum, die maritime Energiewende einzuleiten, mittel- bis langfristig den Abschied von Schiffsdiesel und Schweröl umzusetzen und mit den zusätzlichen Herausforderungen im Wettbewerb zu bestehen.

Die Zahlen der letzten Jahre bestätigen die enorme Bedeutung der deutschen maritimen Wirtschaft: Allein 60 % der Warenexporte Deutschlands erfolgen über den See- oder Wasserweg. Deutsche Reedereien stellen mit rund 2.150 Handelsschiffen die fünftgrößte Flotte der Welt; die Kapazität der Containerschiffsflotte ist mit einem Anteil von 16,4 % die größte der Welt. Deutsche Werften haben 2017 rund 5,88 Mrd. EUR Umsatz gemacht. Auch der Auftragsbestand hielt sich mit 17,94 Mrd. EUR weiter auf hohem Niveau. Damit hat der deutsche Schiff bau einen Weltmarktanteil von 18,8 % und mehr als die Hälfte des europäischen Schiffbaus. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte in Friedrichshafen die herausragende Bedeutung der maritimen Wirtschaft für ganz Deutschland. Sie erwirtschafte jährliche Umsätze von mehr als 50 Mrd. EUR und beschäftige alles in allem beinahe eine halbe Million Menschen. Mit der fortschreitenden Globalisierung und einem Anstieg des Welthandels werde der Handel über See zunehmen.

Der Koordinator für Maritime Wirtschaft Norbert Brackmann (r.), sein französischer Amtskollege Denis Robin (l.), Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg Winfried Kretschmann

"DEUTSCHLAND MARITIM: GLOBAL — SMART — GREEN"

Seit 2000 findet die Nationale Maritime Konferenz regelmäßig statt und hat zum Ziel, den maritimen Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter zu stärken. Am 22. und 23. Mai 2019, haben sich erneut rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft, Forschung, Politik und Verwaltung zur 11. Nationalen Maritimen Konferenz in Friedrichshafen im Bodenseekreis getroffen. Unter dem Motto „Deutschland maritim: global – smart – green“ diskutierten die Teilnehmer über die Potenziale und Herausforderungen zur Sicherung der Technologieführerschaft und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der maritimen Branche in Deutschland.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass sich die maritime Wirtschaft und Industrie in einem umfassenden Transformationsprozess befinden. Die Branche steht an der Schwelle zur autonomen Schifffahrt und verzeichnet mit der Vorstellung der weltweit ersten vollautonomen Fähre einen weiteren bedeutenden Durchbruch. Gleichzeitig steigen mit der wachsenden Vernetzung und Automatisierung an Bord auch die Anforderungen an Sicherheitssysteme stetig weiter. Angesichts der breiten öffentlichen Forderung nach einer klima- und umweltfreundlicheren Schifffahrt sind Green Shipping und die maritime Mobilitätswende von zentraler Bedeutung für die Branche. Für die auf diesem Gebiet weltweit führende deutsche maritime Industrie liegen hier erhebliche Herausforderungen, aber auch entscheidende Marktpotenziale.

Alfred Hartmann, Präsident des VDR, Verband Deutscher Reeder, bekräftigte, dass die deutschen Reeder ihren Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz leisten würden: „Mit dem 1. Januar nächsten Jahres wird das Ende des Schweröls in der Schifffahrt eingeleitet. Wir brauchen aber mehr, nämlich umwelt- und klimaverträgliche neue Treibstoffe für die Zukunft. Das LNG-Förderprogramm des Bundes ist dabei ein guter, aber kleiner Anfang.“

WETTBEWERBSFÄHIGKEIT: CHINA AN DER SPITZE

Die aktuellen Zahlen der deutschen Schifffahrtswirtschaft belegen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. VDR-Präsident Hartmann verwies in Friedrichshafen allerdings auf Hürden, z. B. auf den erheblich erschwerten Kapitalzugang für deutsche Seeschifffahrtsunternehmen: „Die drei wichtigsten Schiffsfinanzierer für die deutsche Flotte haben sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Damit ist es für deutsche Reeder insbesondere schwierig, Investitionen in nachhaltige und effiziente Schiffe zu finanzieren.“ Sofern hier keine tragfähigen neuen Konzepte für den Standort gefunden würden, werde der deutsche Anteil an der Welthandelsflotte und auch bei den nachgelagerten Dienstleistungen signifikant sinken.

Wie wichtig hierzu ein Regelwerk ist, zeigen erneut die Zahlen des Jahres 2018: Der Güterumschlag der Seeschifffahrt nahm in diesem Jahr um 1,7 % gegenüber dem Vorjahr zu. Nach Angaben des deutschen, statistischen Bundesamtes wurden insgesamt 304,7 Millionen Tonnen Güter in deutschen Seehäfen verladen. 2017 waren es noch 299,5 Millionen Tonnen. Die empfangene Gütermenge von ausländischen Häfen stieg um 2,0 %, der Versand in das Ausland um 1,8 %. An der Spitze der Partnerländer im Containerverkehr mit deutschen Seehäfen liegt weiterhin mit deutlichem Abstand China (3,0 Millionen TEU) vor den USA (1,4 Millionen TEU) und Russland (0,7 Millionen TEU).

Die Importe sowie der Exporte, die in deutschen Häfen umgeschlagen werden, steigen. Obwohl der internationale Protektionismus zurzeit in aller Munde ist, spricht die Entwicklung der maritimen Wirtschaft weiterhin für die Globalisierung und gegen Handelshemmnisse. Die Wettbewerbsbedingungen am Standort Deutschland sollten so gestaltet werden, dass die Reedereien die Chance erhalten, im harten internationalen Wettbewerb von Deutschland aus zu bestehen und sich weiter zu entwickeln. Im europäischen Vergleich haben sich beispielsweise bei den Nachbarstaaten wie Dänemark oder die Niederlande die Rahmenbedingungen für die Handelsschifffahrt teils deutlich verbessert. „Die plötzlich neu eingeforderte Versicherungsteuer ist das wichtigste aktuelle Beispiel, wie Deutschland ins Hintertreffen gerät: Nirgends in Europa werden Versicherungen im Zusammenhang mit Schifffahrtaktivitäten so hoch besteuert wie in Deutschland. Viele Staaten kennen so eine Steuer überhaupt nicht“, sagte Alfred Hartmann.

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