Deutsche Vermögen schmelzen

Portfoliorendite privater Haushalte erstmals im Durchschnitt real negativ

Für Sparer sind es schwere Zeiten – zumindest wenn sie für ihr gutes Geld eine annehmbare Rendite erwirtschaften möchten. Wer sein Geld auf die Bank gebracht oder deutsche Staatspapiere gekauft hat, kämpft gegen den Schwund. Wenn der geschäftige Sparer überhaupt Zinsen bekommt, liegen sie unter der Inflation. Und auch andere Anlageformen helfen da wenig, wie der aktuelle Monatsbericht der Bundesbank vorrechnet: Im ersten Quartal gab es demnach durchschnittlich real eine negative Rendite von minus 0,1 %. Die nominalen Zinsen befinden sich in Deutschland auf historisch niedrigem Niveau. Die Öffentlichkeit nimmt dies besonders bei den Bankeinlagen wahr, die traditionell einen bedeutenden Anteil des Geldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland ausmachen.

Portfoliorendite privater Haushalte erstmals im Durchschnitt real negativ

Bargeld und Einlagen stellen den Großteil des Geldvermögens dar und erbringen über weite Strecken eine meist niedrige reale Rendite, die nur vergleichsweise geringen Schwankungen unterliegt. Zwar fiel sie auch in der Vergangenheit hin und wieder unter null. Seit Mitte 2016 liegt sie nun aber seit längerer Zeit deutlich im negativen Bereich.

Während bei Bargeld und Einlagen die Zinszahlungen letztlich die einzige Ertragsquelle darstellen, werden die weiteren Erträge anderer Anlageformen wie Aktien, Schuldverschreibungen, Investmentfondsanteile und Ansprüche gegenüber Versicherungen wesentlich durch Kurseffekte beeinflusst. Auch bei den Schuldverschreibungen bewegten sich die realen Renditen in den letzten Jahren – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des vom Eurosystem aufgelegten Programms zum Ankauf von Vermögenswerten – nahezu durchgängig im negativen Bereich. Die Renditen der Versicherungsansprüche konnten sich von ihrem niedrigen Niveau des Vorquartals aufgrund der sinkenden Inflationsrate leicht erholen. Bei Aktien und einschlägig investierenden Investmentfonds fallen darüber hinaus meist auch Dividendenzahlungen an.

MIT RUND 6,2 BILLIONEN EURO BESITZEN DIE DEUTSCHEN PRIVATHAUSHALTE EIN SO HOHES GELDVERMÖGEN WIE NOCH NIE

Für eine Betrachtung der Gesamtrendite des Portfolios der privaten Haushalte müssen neben den Bankeinlagen auch alle weiteren Komponenten berücksichtigt werden. Lange Zeit haben Aktien durch ihre Kursgewinne die durchschnittliche Rendite noch oberhalb der Null gehalten. Spätestens zum Ende des vergangenen Jahres gaben die Kurse aber deutlich nach.

Wie aus dem aktuellen Bundesbank-Bericht für August hervorgeht, sind auch im ersten Quartal 2019 die Vermögen nach Abzug der Inflation wieder geschmolzen, d. h. dass es durchschnittlich eine real negative Rendite von -0,1 % gab. Bei der Berechnung dieser Gesamtrendite hat sich die Bundesbank an der Struktur des tatsächlichen Geldvermögens in Deutschland orientiert. Dabei liegen mehr als 40 % der privaten Vermögen in Bankeinlagen und Bargeld, Ansprüche gegen Versicherungen machen über 30 % aus. Aktien und Investmentfondsanteile sind dagegen nur in einem geringen Ausmaß vorhanden. Trotzdem haben sie aber relativ starken Einfluss, weil sie viel schwankungsanfälliger sind.

Die so auf Basis der Geldvermögensstruktur der Haushalte berechnete reale Gesamtrendite fiel im Jahresverlauf 2018 von 1,2 % auf etwa -2,5 %. Aufgrund der relativ positiven Entwicklung der Wertpapierkurse erholte sie sich jedoch Anfang 2019 deutlich und lag mit -0,1 % nur noch leicht im negativen Bereich.

Anleger und Sparer stecken daher noch längere Zeit in einer schwierigen Situation. Sie müssen entweder akzeptieren, dass ihr Vermögen an Schwindsucht leidet, oder aber mit mäßiger Chance auf Kursgewinne Aktien kaufen. Lange Zeit hatten Aktien noch durch ihre Kursgewinne die durchschnittliche Rendite oberhalb der Null gehalten. Seit vergangenem Herbst schwächelt allerdings der Deutsche Aktienindex. Trotz der Schwankungen bei der Rendite hat sich die Struktur des Geldvermögens in den letzten Jahren nur geringfügig verändert, was sich insgesamt betrachtet mit der Beobachtung der Bundesbank deckt, dass die Renditesuche bei den privaten Haushalten nur eine untergeordnete Rolle spielt.

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