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Bundesbank untersucht das Finanz- und Sachvermögen privater deutscher Haushalte: Immobilien machen den Unterschied.

Der Anteil der verschuldeten Haushalte und der Anteil der Haushalte mit negativem Nettovermögen veränderten sich zwischen 2010 und 2017 nur marginal. Die Belastung der Haushalte durch Kreditzinsen ging im gleichen Zeitraum aber zurück. Die verschuldeten Haushalte wendeten im Jahr 2017 einen deutlich geringeren Teil ihres Einkommens für Kreditzinsen auf als im Jahr 2010. Wie setzen sich Vermögen und Schulden privater Haushalte in Deutschland heute zusammen?

Die Deutsche Bundesbank befragt im Abstand von drei Jahren unter der Überschrift „Private Haushalte und ihre Finanzen“ Haushalte in Deutschland zu ihrem Vermögen und ihren Schulden. Die Ergebnisse der mittlerweile dritten Bundesbank-Studie zeigen, dass die Vermögen der privaten Haushalte auf breiter Basis zunahmen. Insbesondere die Nettovermögen von Immobilieneigentümern haben sich in Folge der gestiegenen Immobilienpreise erhöht. Aber auch die Vermögen vieler Mieterhaushalte und von Haushalten in der vermögensärmeren Hälfte der Verteilung sind angestiegen. Zur positiven Vermögensentwicklung dieser Haushalte tragen insbesondere die gestiegenen Einkommen bei. Sie versetzen diese Haushalte in die Lage, mehr zu sparen und verringern die Notwendigkeit, neue Konsumentenkredite aufzunehmen.

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Aktien- und Immobilienmärkte machen den Unterschied

Das durchschnittliche Nettovermögen pro Haushalt lag im Jahr 2017 bei 232.800 EUR. Das sind 18.300 EUR bzw. 9 % mehr als bei der letzten Erhebung. Berücksichtigt wurden neben dem Finanz-, Immobilien- und Unternehmensbesitz der Befragten auch der Wert von Fahrzeugen, Sammlungen oder Schmuck. Das Bruttovermögen beziffern die Experten auf 262.500 EUR pro Haushalt – nach Abzug aller Verbindlichkeiten – etwa Immobilien- oder Konsumentenkredite. Das durchschnittliche Vermögen der Deutschen ist somit in den letzten Jahren gestiegen. Aufgrund der starken Ungleichverteilung des Gesamtvermögens haben die Experten der Bundesbank zusätzlich das Median-Vermögen ermittelt. Diese Kennzahl beschreibt den Wert, der die Haushalte in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt. 2017 lag dieser Wert für das Bruttovermögen bei 86.400 EUR, netto waren es 70.800 EUR. Der Vermögensdurchschnitt ist somit mehr als dreimal so hoch wie der Median – ein deutlicher Beleg für die ungleiche Vermögensverteilung hierzulande.

In der unteren Hälfte der Vermögensverteilung hat sich dabei wenig geändert: Die ärmeren 50 % der Haushalte besitzen nur rund 3 % des gesamten Nettovermögens. Der Anteil der vermögendsten Haushalte am Nettovermögen ist allerdings angestiegen. Die reichsten 10 % besaßen demnach im Jahr 2017 55 % des Gesamtvermögens. Das ist sehr viel weniger als in den USA mit 77 % des Gesamtvermögens. Im europäischen Vergleich steht Deutschland aber relativ schlecht da. Der Durchschnitt des Euroraums liegt bei 51 %.

Deutsche sparen konservativ

Die Immobilienmärkte hatten der Untersuchung der Bundesbank zufolge maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Vermögen in Deutschland. So ist beispielsweise das durchschnittliche Nettovermögen von Haushalten mit Immobilienbesitz im Vergleich zur letzten Befragung 2014 um 27.400 EUR auf 258.800 EUR angewachsen. Der Medianwert dieser Haushalte nahm sogar um 37.200 EUR zu und liegt mittlerweile bei 199.200 EUR. Da die Wohneigentumsquote unverändert bei 44 % liegt, zeigt sich, dass die Zunahme fast ausschließlich auf Wertsteigerungen von Immobilien beruht. Auch das durchschnittliche Aktienvermögen der Deutschen stieg zwischen 2014 und 2017 um 5.000 EUR auf 43.700 EUR. Der Median nahm immerhin um 1.000 EUR zu und liegt nunmehr bei 9.900 EUR. Auch hier zeigt sich somit, dass die Entwicklung der letzten Jahre hauptsächlich auf Kurssteigerungen beruht. Trotz der Niedrigzinsen und des Börsenbooms der vergangenen Jahre hat sich der Anteil der Aktionäre und Fondsbesitzer aber kaum verändert. Diese beiden Gruppen sind größtenteils am oberen Ende der Vermögensverteilung zu finden, während die weniger Wohlhabenden weiterhin auf klassische Sparformen vertrauen.

5.857.000.000.000 EUR – Deutsche besitzen Rekordvermögen

Die Deutschen werden immer reicher. Das Geldvermögen der privaten Haushalte nahm im vierten Quartal 2017 im Vergleich zum dritten Jahresviertel um 1,4 % auf den neuen Rekordwert von 5,857 Bio. EUR zu, wie die Bundesbank in Frankfurt mitteilt. Trotzdem bevorzugen die meisten Deutschen den Daten zufolge weiterhin liquide und risikoarme Anlagen. Der Sozialverband VdK Deutschland mahnt, dass die Schere zwischen Reich und Arm sich zunehmend weiter öffne. Die Politik müsse verhindern, dass die Ungleichheit wachse. „Wenn wir die soziale Spaltung nicht entschlossen bekämpfen, gefährden wir unsere Demokratie und langfristig auch unseren Wohlstand“, warnt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland. Die Freude über das Rekordvermögen ist daher nicht ungetrübt. Denn mit Sparkonten oder Festgeldern lassen sich kaum Zinsen erwirtschaften. Von Immobilien und gestiegenen Aktienkursen hingegen profitieren zum Großteil noch jene, die ohnehin über ein vergleichsweise hohes Vermögen verfügen.

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