Das größte deutsche Schiffsregister ist digital

Mit 6.985 eingetragenen Schiffen führt das Amtsgericht in Hamburg das größte Schiffsregister in Deutschland. Bisher mussten Reeder oder Notare, die ein Schiff in Hamburg registrieren wollten, die erforderlichen Anträge beim Amtsgericht einreichen, d. h. physisch in Papierform auf dem Postweg oder elektronisch übermitteln. Einträge und Änderungen mussten in mühevoller Handarbeit erfolgen und kosteten durch den enormen Verwaltungsaufwand Geld, Zeit und Nerven. Das wird 2020 ein Ende haben.

Schiffsregister 24/7

Wer Schiffe ins Hamburger Schiffsregister eintragen möchte, kann dies ab 1. Januar 2020 direkt über ein Online­Portal tun. Zum Start des digitalen Schiffsregisters sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos): „Dieses Register nicht digital zu betreiben, widerspricht der Innovationsstrategie des Hamburger Senats.“ Ein digitales Schifffahrtsregister sei anwenderfreundlich, erhöhe die Effizienz und baue Bürokratie ab. „Wir sind damit Vorreiter in Deutschland und liefern vielleicht eine Blaupause für andere Bundesländer“, so Westhagemann. An dem Projekt beteiligen sich die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), die Justizbehörde und das für das Schifffahrtsregister zuständige Amtsgericht. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 2,2 Mio. EUR.

„Der Einsatz der Technik wird die Justiz entlasten und die Arbeit für die Kolleginnen und Kollegen am Amtsgericht erleichtern“, sagte Hamburgs Justizsenator Dr. Till Steffen (Grüne). Die Zeitersparnis könne bis zu 50 Prozent ausmachen. Die Bearbeitungszeit würde somit nur noch wenige Tage betragen – das Prüfen des Antrags durch die Rechtspflege, die Hauptaufgabe eines Schiffsregisters, bleibe jedoch unverändert.

Ernst Russ AG: Standort des Schiffsregisters ist das Amtsgericht Hamburg in der Caffamacherreihe 20.
Wer ein Schiff in Hamburg registrieren möchte, ist künftig nicht nur unabhängig von den Öffnungszeiten der Behörden, bei Bedarf kann auch jederzeit Akteneinsicht vom Schreibtisch aus erfolgen.

Die Nutzerbedürfnisse zählen

Eine Projektgruppe wird bis Ende des Jahres die notwendigen technischen Voraussetzungen schaffen, sodass Hamburg zum nächsten Jahreswechsel ein benutzerfreundliches Online­Portal anbieten kann. Nach Auskunft von Michael Westhagemann und Dr. Till Steffen sollen die ersten Anwendertests Ende des zweiten Quartals 2019 beginnen und Ende des dritten Jahresviertels stünden dann bereits die Abnahmetests an. Die enge Einbindung der Fachbereiche und die gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten haben wesentlich dazu beigetragen, dass das Projekt innerhalb des Zeit­ und Budgetrahmens liegt und an den Nutzerbedürfnissen ausgerichtet ist. Mit der Digitalisierung des Schiffsregisters werde auch die Attraktivität des Schifffahrts- und Rechtsstandorts Hamburg gesteigert.

Wer ein Schiff in Hamburg registrieren möchte, sei künftig nicht nur unabhängig von den Öffnungszeiten der Behörden, bei Bedarf kann auch jederzeit Akteneinsicht vom Schreibtisch aus erfolgen. „Unser Ziel ist, einen Service anzubieten, der Hamburg für die Branche zur ersten Wahl bei der Registrierung von Schiffen macht“, sagte Dr. Till Steffen zusammenfassend. Im Schiffsverkauf sei künftig ein deutlicher Zeitgewinn zu erwarten.

Schiffsregister in Zahlen

Standort des Schiffsregisters ist das Amtsgericht Hamburg in der Caffamacherreihe 20. Das Register arbeitet wie ein Grundbuch, das die Eigentumsverhältnisse der eingetragenen Schiffe dokumentiert. Eintragungspflichtig sind Seeschiffe, wenn die Rumpflänge 15 Meter übersteigt. Binnenschiffe sind ab einer Wasserverdrängung von 10 Kubikmetern oder einer Tragfähigkeit von mehr als 20 Tonnen eintragungspflichtig. In Hamburg sind 4.866 See- und 2.077 Binnenschiffe sowie 42 im Bau befindliche Schiffe registriert (Stand Dezember 2018). Im vergangenen Jahr wurden 420 Neueintragungen vorgenommen und rund 3.500 Anträge bearbeitet.

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