Bauwirtschaft zuversichtlich für 2020

Die Baubranche ist mit ihren rund zwei Millionen Beschäftigten und fast 330.000 Betrieben einer der bedeutendsten Wirtschaftssektoren in Deutschland. Trotz einer leichten Eintrübung des Wirtschaftswachstums blickt die Branche nach wie vor positiv in die Zukunft. Seit längerer Zeit wird die Immobilienwirtschaft allerdings durch regulatorische Themen herausgefordert: Mietpreisbremse, Regulierungen und Enteignungen sollen die Renditen der Immobilienbesitzer drücken. Weder niedrige Mieten noch Enteignungen lösen aber das eigentliche Problem, dass es in den Großstädten zu wenig Wohnraum gibt. Und um den zu schaffen, muss gebaut werden, wofür wiederum mehr Bauland ausgewiesen werden muss. Genau hierzu stellt der Bund der Steuerzahler den Kommunen und dem Staat ein schlechtes Zeugnis aus. Bauland werde zu langsam freigegeben.

Bauwirtschaft 2020
Die Baubranche erfreut sich zurzeit gut gefüllter Auftragsbücher. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe war im November 2019 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 14,2 % höher als im Oktober 2019.

Die Immobilienpreise steigen zudem stark an. Die Kosten für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie für Eigentumswohnungen sind den Statistiken zufolge zwischen 2008 und 2018 um rund 48 % angestiegen. Seit 2015 beschleunigt sich die Zunahme weiter. Seither steigen die Preise jährlich zwischen 4,7 und 7,5 %. Der deutsche Bürger erhofft sich staatliche Hilfe. Die Sehnsucht nach dem starken Staat ist auch der Wunsch nach einer einfachen Lösung. Der Staat kann diese einfache Lösung allerdings nicht bieten, er ist Teil des Problems und hat die Probleme erst mit geschaffen.

Icon "Wir blicken auf ein gutes Baujahr 2019 und erwarten ein Umsatzwachstum von 5 Prozent; dieses Wachstum entspricht einem Umsatz von 354 Mrd. EUR, den unsere 370.000 Mitgliedsbetriebe erwirtschaftet haben. 2020 wird der Branchenumsatz auf fast 370 Mrd. EUR steigen, was einem Plus von 4,2 Prozent entspricht." (Marcus Nachbauer, Vorsitzender der Bv. Bauwirtschaft)

Nach der Finanzkrise …

Die Großstädte wachsen überproportional durch Zuzug vieler junger Menschen. In den Metropolen wird weniger Wohnfläche pro Person belegt. 2018 gibt es im Vergleich zum Jahr 2008 mehr als doppelt so viele genehmigte, jedoch nicht fertiggestellte Wohnungen. Der Wohnungsbau bleibt der Motor für die Baukonjunktur, bei deutlichem Preisanstieg im Bau und für die Instandhaltung von Wohngebäuden.

Seit 2008 haben sich die Umsätze von Baubetrieben mit mehr als 20 Beschäftigten mehr als verdoppelt – von 8,6 Mrd. EUR auf 20,3 Mrd. EUR im Jahr 2018. Im gleichen Zeitraum haben sich auch die Preise für Leistungen von Bauunternehmen für den Neubau von Wohngebäuden um 24,3 % erhöht. Seit 2008 zeigen die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt in eine Richtung.

Der Staat macht’s vor

„Bauvorhaben des Staates werden mit trauriger Regelmäßigkeit teurer als geplant“, kommentiert der Steuerzahlerbund im aktuellen Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler, das erstmals neben den üblichen Fällen von Steuerverschwendung ein ganzes Kapitel enthält, das sich dem Thema Wohnpolitik widmet.

Demnach zeigen aktuelle Zahlen, dass sich alle laufenden Projekte zusammengenommen um rund 20 Jahre verzögern und 407 Mio. EUR teurer werden als geplant. Bei 34 Baumaßnahmen des Bundes kommt es nach Angaben des Steuerzahlerbundes voraussichtlich bei 15 Projekten zu Bauverzögerungen zwischen sechs Monaten und mehr als vier Jahren.

Darüber hinaus würden von diesen 34 Baumaßnahmen 14 Projekte teilweise erheblich teurer als ursprünglich geplant. Die Kosten für die genehmigten Projekte liegen derzeit rund 59 % höher als veranschlagt. Fast jeder zweite Bundesbau sprengt den gesetzten Termin- und Kostenrahmen. Der Steuerzahlerbund fordert deshalb, dass die Bundesregierung handelt und als Bauherr die Kosten ihrer Projekte in den Griff bekommt.

Wenig Innovationswillen in der Bauwirtschaft

Aber nicht nur der Staat steht in der Pflicht, die Bauwirtschaft leistungsfähig zu machen. Auch die Unternehmen müssen ihr Möglichstes tun. Dass es in diesem Punkt Verbesserungspotential gibt, bestätigt die Studie „Zukunft Bau“ des ZEW. Das Einbinden von Immobilien in die Kreislaufwirtschaft, die Übertragung von gefährlichen oder körperlich anstrengenden Tätigkeiten an Maschinen, die Erhöhung der Attraktivität der Bauwirtschaft als Arbeitgeber und nicht zuletzt eine Erhöhung ihrer Produktivität ist demnach nicht gegeben. Und die Digitalisierung ist bei den Branchenunternehmen auch nicht angekommen.

Bauwirtschaft 2020
Prognose für 2020: 310.000 neue Wohnungen werden voraussichtlich gebaut, der Branchenumsatz steigt auf 370 Mrd. EUR, Bauinvestitionen steigen um 2,5 %

„Die seit Jahren anhaltende gute konjunkturelle Lage im Baugewerbe scheint die Anpassungsschritte in Richtung Digitalisierung bisher in den Hintergrund gedrängt zu haben“, schreiben die Autoren der ZEW-Studie. Die Umsetzung neuer digitaler Trends wie die elektronische Erhebung und Auswertung von Daten, die Automation und die Vernetzung gehen in der Immobilienbranche nur schleppend voran. Hier gibt es also noch genügend Aufholpotential.

Icon "Nach langen Jahren der Investitions-Zurückhaltung ist die Bundesregierung endlich bereit, entsprechend in die Infrastruktur zu investieren. Die deutsche Bauwirtschaft ist trotz mancher Personalengpässe gut aufgestellt, die Herausforderungen zu meistern."
(Marcus Nachbauer, Vorsitzender der Bv. Bauwirtschaft)

Es herrscht Zuversicht, aber 2020 ist noch einiges zu tun

Alles in allem sieht die Branche das Jahr 2019 positiv. Sie blickt auf ein gutes Baujahr und erwartet ein Umsatzwachstum von 5 %; das entspricht einem Umsatz von 354 Mrd. EUR, den die 370.000 Mitgliedsbetriebe erwirtschaftet haben. Wachstumstreiber in der Bauwirtschaft bleibt heute die Neubautätigkeit. In dieser Sparte wird mit 845.000 Beschäftigten ein Umsatz von 125 Mrd. EUR erwirtschaftet, was einem Plus von 6,2 % entspricht. „Für 2020 rechnen wir mit einem weiteren Anstieg um 4,8 % auf knapp 131 Mrd. EUR“, so Marcus Nachbauer von der Bundesvereinigung Bauwirtschaft. Hier wirkt sich die hohe Nachfrage nach Wohnraum in den Ballungsgebieten weiter positiv aus.

Es wird mit der Fertigstellung von ca. 300.000 bis 310.000 neuen Wohnungen 2019 bzw. 2020, nach 287.000 im Jahr 2018 gerechnet. Allerdings fehlen weiterhin Sozialwohnungen: In den letzten zehn Jahren sind durchschnittlich 81.100 Wohneinheiten pro Jahr aus der Sozialbindung gefallen. Das Fertigstellungsniveau erreicht aber nur gut ein Drittel des Bedarfes.

Im Jahr 2020 wird der Branchenumsatz auf fast 370 Mrd. EUR steigen, was einem Plus von 4,2 % entspricht. Die deutsche Immobilienwirtschaft wird zunächst weiter von günstigen Finanzierungsbedingungen, einer guten Wirtschaftslage und einer hohen Nachfrage nach Wohnraum in Ballungsgebieten getragen werden. Trotz hoher Auftragsbestände zeichnet sich ein allmählich schwindender Optimismus ab, sodass über das Gesamtjahr mit allenfalls moderaten Zuwachsraten auf hohem Niveau gerechnet werden kann. Kapazitätsauslastungen und ein Mangel an Facharbeitskräften stehen einer kräftigeren Ausweitung vermehrt entgegen. Bauleistungen dürften sich dadurch zunehmend verteuern. Der Sachverständigenrat erwartet einen Anstieg der realen Bauinvestitionen um 2,5 %.

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