Auf dem Börsenparkett tut sich was

Die deutschen Handelsplätze bündeln ihre Kräfte – und treiben die Digitalisierung voran

Es gibt in Deutschland mehrere regionale Börsenplätze. Und es gibt die eine große elektronische Börsenplattform Xetra, die über 90 % des gesamten börslichen Aktienhandels in der Bundesrepublik Deutschland abwickelt. Sie wird betrieben von der Deutschen Börse in Frankfurt. Die Dominanz dieses digitalen Handelsplatzes ist enorm, die Konkurrenz verbessert aber zunehmend ihre Position.

Sieben Unternehmen wie Nokia, Samsung, Ericsson und Motorola erzielten 2007 99 % aller Gewinne im Handy-Geschäft. Ab 2007 wirbelte Apple den Markt mit dem iPhone gründlich durcheinander und nahm im Jahr 2015 mit 92 % der durch den Verkauf von Smartphones erzielten Gewinne die absolute Spitzenposition ein.

Mit dem iPhone wurde in den letzten zehn Jahren  eine Plattform geschaffen, die mit Apps den digitalen Austausch mit den Nutzern fördert, und den Wert der Information und der digitalen Interaktion extrem hebt. In den letzten zehn Jahren hat der Anleger damit die Möglichkeiten für  das schnelle und problemlose Handelsgeschäft erhalten und heute kann der Anleger horrende Summen schnell und unkompliziert bei der Bahnfahrt oder vor dem Schlafengehen verschieben.

Börse Frankfurt - Ernst Russ AG

Die Deutsche Börse ist mit der Digitalisierung groß geworden. Das Geschäftsmodell Xetra hat den Nerv der Zeit getroffen und die Börse in Frankfurt im Vergleich zu den anderen Handelshäusern zum führenden Marktplatz gemacht.  Der elektronische Handel hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, so dass der Parketthandel am 23. Mai 2011 komplett auf das Xetra-Handelssystem umgestellt wurde.

Trotz der Erfolge der letzten Jahre muss die Deutsche Börse aber kürzer treten: Aktuell sind in Frankfurt Einsparungen in Millionenhöhe geplant und es gilt ein Einstellungsstopp für die meisten Bereiche. Die hohen Ausgaben, die bereits in den Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE) investiert worden waren, machen die Kostensenkungen nach dem Scheitern der Fusion notwendig. Nach Presseberichten sind neben den Fusionskosten auch die aus Sicht des Vorstands enttäuschenden Geschäftszahlen in den ersten beiden Monaten des Jahres 2016 für die Einsparungen verantwortlich.

Börsenplätze

Frankfurt:
Der Börsenplatz Frankfurt ist der wichtigste Finanzplatz in Deutschland und bietet die ganze Bandbreite an Dienstleistungen und Handelsangebote. Besonders hervorzuheben ist hier die elektronische Börse Xetra, die über 90 % der Umsätze an Aktien in Deutschland auf sich verbuchen kann.

Stuttgart:
Nach Frankfurt ist der Börsenplatz Stuttgart bezüglich des Umsatzes der zweitwichtigste in Deutschland. Mit einem Handelsvolumen von über 80 Milliarden Euro in allen Anlageklassen im Jahr 2016 liegt die Börse Stuttgart an zehnter Stelle unter den Börsen in ganz Europa.

Hamburg und Hannover/ Düsseldorf:
Die BÖAG Börsen AG ist der gemeinsame Betreiber der Wertpapierbörsen in Hamburg und Hannover. In der deutschen Börsenlandschaft spielen beide Börsenplätze als Regionalbörsen eine untergeordnete Rolle. Im Bereich des Fondshandels besitzt die Börsen AG jedoch eine Führungsposition. Zurzeit wird die Übernahme der Düsseldorfer Regionalbörse durch die norddeutschen Börsen Hamburg und Hannover umgesetzt.

Die Börse Düsseldorf hat ihren Ursprung im Jahr 1553 in Köln und ist das einzige existente Handelshaus im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Sie ist keine umsatzstarke Börse, zeichnet sich aber für besondere Privatanleger-Angebote aus. So können DAX-Werte beispielsweise ohne Spread gehandelt werden und es gibt einen Fondshandel ohne Ausgabeaufschlag. Außerdem berechnet die Börse Düsseldorf seit September 2007 den Index NRW-MIX und bietet mit dem Handel über das elektronische Handelssystem QUOTRIX Handelszeiten von 8.00 bis 22.00 Uhr.

Berlin:
Die Börse Berlin wird 1685 durch ein Edikt des Kurfürsten von Brandenburg Friedrich Wilhelm gegründet. Die mit der Börse Bremen bestehende Vereinigung wurde im Jahr 2007 aufgelöst.

Seit dem Start im Jahr 2010 hat der Berliner Plattformbetreiber Tradegate Exchange den Handelsumsatz von anfangs 18 Milliarden Euro auf zuletzt mehr als 70 Milliarden Euro gesteigert. Hervorzuheben ist, dass sich die Handelszeiten vollständig über den Zeitraum von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr erstrecken.

Bremen:
Die Bremer Börse war bis ins Jahr 2007 eine weitere deutsche Regionalbörse, die heute jedoch nicht mehr existiert. Gegen den zunehmend elektronisch abgewickelten Handel konnte sich die kleine Bremer Börse dauerhaft nicht behaupten.

München:
Die Börse München gehört zu den kleineren Börsenplätzen in Deutschland und wirbt mit dem Motto: "Global denken, lokal handeln!". München betreibt das elektronische Handelssystem MAX-ONE.

Die Konkurrenz rückt näher

Was den großen Häusern zum wiederholten Mal nicht gelingt (bereits im Jahr 2000 wurde die geplante Fusion der Börsen Frankfurt und London zu einer neuen europäischen Superbörse iX mit Sitz in London in letzter Minute abgesagt), schaffen die kleineren Börsenplätze. Aktuell übernehmen Hamburg und Hannover, die unter der Gesellschaft der BÖAG Börsen AG handeln, den Düsseldorfer Wettbewerber – und seine Handelsplattform.
Die drei regionalen Börsenhäuser arbeiten bereits seit Anfang des Jahres zusammen, da der Kauf rückwirkend zum 1. Januar 2017 gültig wurde. Der notarielle Kaufvertrag sei unterzeichnet worden, teilte die BÖAG Börsen AG mit, die zuständigen Aufsichtsräte, Börsenräte und Aufsichtsbehörden hätten dem Vorhaben bereits zugestimmt, so dass die Transaktion im Sommer abgeschlossen werde.

Hierbei wird auf die erwünschten Synergieeffekte gesetzt, insbesondere bei der Bearbeitung von Zulassungen und bei der Handelsüberwachung. Es dreht sich bei der Übernahme aber nicht nur um Synergien. Die BÖAG Börsen AG bekommt hierdurch auch Zugriff auf die in Düsseldorf gestartete elektronische Handelsplattform Quotrix. Neben der BÖAG Börsen AG kann auch die Berliner Börse eine elektronische Handelsplattform aufbieten - sogar in noch größerer Form.  Der große Bruder der Düsseldorfer Handelsplattform Quotrix heißt Tradegate Exchange, konnte in den letzten Jahren zunehmend Marktanteile übernehmen und hat den Umsatz seit dem Start im Jahr 2010 rund vervierfacht. Mit den beiden Plattformbetreibern in Düsseldorf und Berlin werden die Störgeräusche aus der Gruppe der Xetra-Konkurrenz lauter.

Pluspunkt digitaler Handelsplatz

Angesichts der Kostenvorteile von Tradegate, Quotrix & Co verzeichnen die digitalen Handelsplattformen starke Zuwächse. Die Düsseldorfer Börse hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben die Zahl der Orderausführungen um 76 Prozent auf 483.000 gesteigert. Gemessen an dieser Größe sei man damit der viertgrößte Handelsplatz nach Xetra, Tradegate und Stuttgart. Nicht nur Direktbanken wickeln Wertpapieraufträge gerne über Quotrix ab, auch von der Postbank und den Sparkassen wird diese Plattform inzwischen für einen Teil ihres Geschäfts bevorzugt.

Die New Yorker Technologie-Börse Nasdaq arbeitet bereits seit ihrem Start 1971 rein elektronisch. Andere große Börsenplätze wie etwa Chicago oder London haben ihr Parkett weitgehend oder ganz geschlossen. Die Digitalisierung schreitet auf dem Börsenparkett schnell voran, in Deutschland und auch international. Auf die Herausforderungen durch die elektronischen Handelsplätze haben die Regionalbörsen reagiert, indem sie sich verschiedene Nischen gesucht haben. Die Hamburger haben erfolgreich ein Handelssegment für offene Fonds etabliert und außerdem Handelsplattformen für Finanzprodukte, die bisher nicht an Börsen gehandelt wurden, eingerichtet, z. B. für geschlossene Fonds und zuletzt für Schuldscheine. Die Börse Hamburg hat eine Möglichkeit geschaffen, geschlossene Fonds auf einer Erstmarktplattform elektronisch zu zeichnen - einen Zweitmarkt dafür gab es bereits.

Ganz gegen den Trend macht international die Börse New York mobil. Sie erweitert den Handel auf dem Parkett um Tausende von Aktien - echte Broker aus Fleisch und Blut werden wieder kaufen und verkaufen, wie wir es aus den Hollywood-Filmen kennen. Die Aktienbörse New York hat angekündigt, die Zahl der handelbaren Wertpapiere auf dem Parkett von derzeit knapp 3.200 auf 8.600 zu erhöhen. Dann soll es möglich sein, alle in den USA handelbaren Aktien und verwandten Papiere wie börsengehandelte Fonds zu kaufen, möglicherweise eine Marktlücke in unserer digitalisierten Finanzwelt.

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